Als es der EV Füssen gegen den FC Bayern München zweistellig machte – so könnte tatsächlich die Überschrift dieses Textes lauten. Wie man sich aber denken kann hatten sich die Ostallgäuer früher nicht dem Fußball verschrieben und den späteren Rekordmeister und Rekordpokalsieger mit 13:1 Toren vom Rasen gefegt. Nein, die Bayern versuchten sich in den 60er Jahren kurzfristig im Eishockey, ein Kapitel, das aber schnell wieder beendet war.

Im Jahr 1967 waren die Münchner eine aufstrebende Macht im deutschen Fußball. Zunächst nicht für die 1963 gegründete Bundesliga qualifiziert stiegen die Bayern aber 1965 auf, wurden auf Anhieb Dritter und gewannen den DFB-Pokal. In der nächsten Spielzeit glänzte der FCB dann auch international und gewann im Mai durch ein Endspieltor des ursprünglich aus dem Nachwuchs des TSV Bertoldshofen stammenden Franz „Bulle“ Roth den Europapokal der Pokalsieger.

Soweit die den meisten bekannte Geschichte. Zuvor hatte aber auch die noch junge Eishockeyabteilung der Bayern den Aufstieg aus der Oberliga geschafft und nahm hier 1967 ebenfalls an der Bundesliga teil. Erst ein Jahr zuvor hatte man die Mannschaft des Oberligisten Münchner EV übernommen. Nach dem Bau einer neuen und vor allem überdachten Halle im späteren Olympiapark wollte der FCB nun auch auf dem Eis Erfolgsgeschichte schreiben. Ebenso aufstrebend wie im Fußball trafen sie hier auf die alteingesessenen Teams wie den Nachkriegsrekordmeister aus Füssen, der selbst Spiele auf Grund der höheren Zuschauerzahlen nach München ins – allerdings nicht überdachte – Prinzregenten-Stadion verlegte.

Der EVF war nach den großen Erfolgen und zwölf Meisterschaften innerhalb von sechzehn Jahren etwas ins Straucheln geraten. Zweimal in Folge waren die Ostallgäuer leer ausgegangen, mussten Bad Tölz und Düsseldorf den Vortritt lassen. Und in Ansätzen zeichnete sich hier bereits das ab, was in den 1970er Jahren dann Gewissheit wurde: die Abwanderung von Spielern und damit des erstklassigen Sports in die finanzstärkeren Großstädte. Paul Ambros wechselte zum Augsburger EV und führte diesen in die Bundesliga. Auch Nationalmannschaftskollege Leonhard Waitl zog es weg, er wurde einer der Stars von Bayern München.

Doch noch hatte der EV Füssen genügend Substanz, um einen Umbruch aus den eigenen Reihen zu vollziehen. Das musste auch der Aufsteiger aus der Landeshauptstadt spüren, der mit besagtem 13:1 abgefertigt wurde. Im Stadion unter dem Fernsehturm siegte das verjüngte EVF-Team ebenfalls deutlich mit 6:1. Am Ende ging die Meisterschaft zum 13. Mal an den Kobelhang, Bayern München gelang der Klassenerhalt durch einen 5:3-Sieg im Relegationsspiel gegen den ESV Kaufbeuren. Auch im zweiten Jahr konnte der FCB als Vorrunden-Schlusslicht sportlich in der Relegation die Klasse halten. Die Füssener gewannen gegen die Münchner jetzt zweimal mit 6:2 und sicherten sich den 14. Titel.

Das Gastspiel des FC Bayern München fand dagegen ein jähes Ende. Das Fußballteam konnte 1969 seine erste deutsche Meisterschaft in der Bundesliga feiern, die Begeisterung für das Eishockeyteam ließ dafür schnell nach. Rund 100.000 DM Minus hatte die Abteilung in zwei Jahren eingefahren, FCB-Präsident Willy Neudecker entschied sich deshalb für einen Rückzug aus dem Eishockey. Mannschaft und Ausrüstung wurden für 135.000 DM an den Augsburger EV verkauft – inklusive Waitl. Dieser kehrte 1972 aber zum EVF zurück und feierte den 16. und letzten Titelgewinn der Füssener am heimischen Kobelhang. Der FC Bayern München gewann in dieser Saison den vierten Meistertitel im Fußball, 25 weitere sollten bis dato folgen. Im Gegensatz zum EV Füssen hatte man bei den Bayern aber vom Eishockey genug. (MiL)