„Europa, wir kommen“, skandierten die Füssener Fans Anfang dieses Jahres, als sich die Qualifikation des Aufsteigers für die Playoff-Runde abzeichnete. Gemeint war damit natürlich ein mögliches Duell mit den Tilburg Trappers, denn der 15-fache Meister der Niederlande nimmt bereits seit 2015 an der deutschen Oberliga teil. Zu einem Vergleich mit dem Meister der Nordstaffel kam es bekanntermaßen nicht mehr, ein Aufeinandertreffen gab es aber schon einmal.

Es war 1971, als sich in der zweiten Runde des Eishockey-Europapokals der Landesmeister die beiden Teams gegenüber standen. Am 11. Oktober ging es für die Füssener dabei nach Holland, zu einem unbekannten und schwer einzuschätzenden Gegner. Die Trappers traten mit vier Tschechen und zwei Nordamerikanern an, spielten hartes Eishockey und wurden von 3000 Zuschauern nach vorne gepeitscht. Im ersten und letzten Drittel bedurften die Füssener einer Klasseleistung von Torhüter Toni Kehle, um gegen den Sturmlauf der Holländer zu bestehen. Im Mittelabschnitt legten die Allgäuer aber mit vier Treffern den Grundstein für ihren 5:2-Sieg.

„In München werden wir den Spieß umdrehen“, versprach Tilburgs junger Trainer Toni Callam. Er sollte sich gewaltig irren, denn in der bayerischen Landeshauptstadt, wo das Rückspiel ausgetragen wurde, kam seine Mannschaft richtig unter die Räder. Dabei stand es nach dem ersten Drittel noch torlos, doch dann brachen alle Dämme. Sage und schreibe 9:0 ging der zweite Abschnitt an die Füssener, am Ende hieß es dann 13:2.

Damit war das Team von Kapitän Gustav Hanig in der dritten Runde, wo es nun selbst Lehrgeld zahlen musste. Beim schwedischen Spitzenteam Brynäs Gävle, das in dieser Saison seinen siebten Meistertitel innerhalb von 9 Jahren holen sollte, gab es ein herbes 0:13. Und auch im Rückspiel in Füssen blieb der Eissportverein beim 0:5 tor- und chancenlos und schied damit aus dem Wettbewerb aus. Es war die vierte von insgesamt fünf Teilnahmen des EVF am Europapokal.

Die erfolgreichste war gleich die erste in der Saison 1965/66. Hier wurde noch vier- anstatt zweimal gegeneinander gespielt. Nach einem Freilos setzten sich die Schwarz-Gelben in der zweiten Runde gegen den italienischen Meister Cortina d’Ampezzo mit 5:0, 9:1, 1:2 und 1:1 durch. Danach gab es einen Krimi gegen Valerenga Oslo. Auswärts legte die Mannschaft von Trainer Markus Egen durch ein 3:3 sowie einen 6:3-Sieg sehr gut vor, unterlag dann allerdings daheim im dritten Spiel mit 5:6. So musste das vierte entscheiden. Hier führten die Gäste lange Zeit mit 1:0, ehe der EVF dank des vierfachen Torschützen Siegfried Schubert noch zu einem deutlichen 7:1 kam. Im Finale ging es dann gegen den tschechoslowakischen Meister ZKL Brünn, den Füssenern bereits als sehr starke Mannschaft beim eigenen Thurn- und Taxis Pokal bekannt. Die vier Partien wurden mit 4:6, 5:7, 2:6 und 1:6 verloren, was aber trotzdem ein Achtungserfolg war. Und vor allem der erste Vergleich vor über 8000 Zuschauern am Kobelhang hätte laut Augenzeugen auch anders ausgehen können.

In der Saison 1968/69 schied der EVF bereits frühzeitig gegen Österreichs Meister Klagenfurter AC mit 2:5 und 1:1 aus. Ein Jahr später lief es dann zunächst besser, der dänische Vertreter Esbjerg IK konnte mit 6:1 und 9:2 deutlich bezwungen werden. Die Zähne bissen sich die Füssener aber in der nächsten Runde an den Schweizern vom HC La Chaux-de-Fonds und da vor allem an deren überragendem Torhüter Gerald Rigolet aus, der damals zu den besten europäischen Goalies zählte. Sowohl beim 1:1 im Hinspiel am Kobelhang als auch beim 1:2 in der Schweiz vor 7000 Zuschauern gelang gegen ihn jeweils nur ein Treffer.

Zum letzten Mal an dem Wettbewerb der Landesmeister nahmen die Füssener nach der 16. Meisterschaft 1973 teil. Hier gab es gegen den HC Chamonix mit einem 10:5 in Frankreich und einem 9:5 in Füssen zwei Torfestivals. Das Aus kam in der zweiten Runde gegen den ungarischen Meister Ferencvàros Budapest, und erneut wurde es torreich. Und vor allem unrühmlich, denn die favorisierten Füssener verspielten daheim eine 6:1-Führung zur Spielhälfte und unterlagen mit 7:8. Auswärts musste man sich dann in der ungarischen Hauptstadt vor 11.000 Zuschauern mit 3:5 geschlagen geben, das bis heute letzte internationale Kapitel des Füssener Eishockeys in einem offiziellen Wettbewerb. Wobei es da eigentlich immer noch die Tilburg Trappers gäbe…. (MiL)