An einem Eishockey-Stammtisch wird gern und viel erzählt. Thema ist dann bevorzugt das Oberligaspiel vom vergangenen Wochenende, begleitet von einer tiefgründigen taktischen Analyse des Gegners, der letzten Endes „gar nix groß drauf ghabt hätt´“ – worauf sich nicht selten ein schwärmerischer Rückblick auf die eigene „gute, alte Hockey-Zeit“ anschließt. Wo „Tradition“ noch großgeschrieben wurde und jeder seinen eigenen Weg gegangen ist. „A Fiassar goht it auf Pfronta” oder „mia sind erst gar it auf Fiassa gfahra“: „Experten“, so posaunen die noch wenig übrigen Kufensport-Traditionalisten, die noch heute an eine „wahre Rivalität“ zwischen EVF und EVP glauben und daher, mal abgesehen von ein paar grantelnden Worten, nicht viel für den jeweiligen „Nebenbuhler“ übrig haben. Wo ihr sagt, „des goht gar nit“, sagen wir: „Aber grad mit Fleiß“ – denn die Pfrontener/Füssener-Eishockeypartnerschaft geht heuer bereits in ihre dritte Saison, ebenso mit dem ESV Kaufbeuren im Leistungsbereich der U20 und 1. Mannschaft. Weg von der Rivalität, hin zur Gemeinsamkeit!

Angefangen hat alles im Jahr 2019, als unter den (angeblich) „ungeliebten“ Nachbarn bei einem Gespräch eine Idee und daraus ein Plan entstand. Der eigene EVF-Kader fasste zu diesem Zeitpunkt über 30 Kinder, die zwar alle gerne Hockeyzocken wollten, aufgrund der Vielzahl jedoch nicht alle gleichzeitig und ausreichend eingesetzt werden konnten. Im nur wenige Fahrminuten entfernten Pfronten mangelte es zu diesem Zeitpunkt dagegen an jungen Kufen-Cracks – die EVP/EVF-Kooperation war geboren. Fortan nahm neben der Füssen 1 Mannschaft die sogenannte „Spielgemeinschaft Pfronten/ Füssen 2“ am Punktspielbetrieb der Eishockeynachwuchs-Landesliga teil, was für beide Vereine einer „Win-Win-Situation“ gleichkam: Füssener Spieler & Torhüter, die entweder als junger Jahrgang zunächst in der höheren Altersklasse ankommen mussten, mit der Gruppe noch nicht anschließen konnten oder Endjahrgänge, welche zusätzliche Spielzeit und Erfahrungen für den Altersklassenwechsel in der nächsten Saison benötigten, gelangten an mehr Einsatzzeiten, während die Pfrontener durch die schwarz-gelbe EVF-Verstärkung ihren Nachwuchsspielbetrieb aufrecht erhalten konnten.

Vor allem sind es seit jeher aber auch die Trainer, die von der Hockey-Partnerschaft profitieren, sich viel und regelmäßig austauschen, wobei ein regionales Netzwerk mit Fokus auf gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Angebote, auf wie neben dem Eis, entstehen konnte. Das System „Kooperation“, es ging von Anfang an „voll auf“ – so war es nur wenig verwunderlich, dass bereits kurze Zeit später auch in der U15-Altersklasse die Rahmenbedingungen für eine Spielgemeinschaft gelegt wurden. Zum bestehenden Kooperations-Paket soll sich ab der kommende Saison nun auch noch eine Zusammenarbeit auf U17-Ebene hinzugesellen, wobei hier auf das aus dem Seniorenbereich bekannte Förderlizenzen-Modell zurückgegriffen wird. Es rührt sich also etwas im Allgäu – von gegenseitigen Vorurteilen, geschweige denn alten „Feindschaften“, ist nicht mehr viel zu sehen. „Richtig so“, finden “WIR”! Was zählt, ist schließlich nicht den Hockey-Nachbarn als „Konkurrenten“ zu verstehen – sondern als starken Partner für eine gemeinsame Eishockey-Zukunft. Wo die individuelle Förderung und Weiterentwicklung des Nachwuchses im Vordergrund steht, ebenso wie eine dauerhafte Sicherung des Spielbetriebs.

In diesem Sinne hoffen wir auf eine weiterhin positiv verlaufende Zusammenarbeit: für die Zukunft unserer Hockey-Kids, und gegen die Vorurteile manches unbelehrbaren „Alles-Besserwisser“ vom Eishockey-Stammtisch. Ein Dank gilt an dieser Stelle den „Bindegliedern“, also allen Vorstandsmitgliedern & beteiligten Trainern beider Vereine, die die neu geschaffene Eishockey- „Familie“ zusammenhalten und maßgeblich an der Koordination von Spiel- sowie Trainingsbetrieb beteiligt sind. Jungs, ihr macht einen super Job – die Früchte eurer Arbeit werden sowohl Pfrontener, als auch Füssener, (wenn nicht bereits getan) schon sehr bald ernten können!