Gut zwei Wochen ist es her, dass der Eissportverein Füssen in der Allgäuer Zeitung seine finanzielle Situation offenlegte und die Öffentlichkeit über mögliche drastische Konsequenzen informierte. Vorab eine gute Nachricht: Der EV Füssen ist Stand heute schuldenfrei – und dennoch läuft er Gefahr, bis zum Saisonende zahlungsunfähig zu werden. Warum das so ist, erklärt der 2. Vorstand Thomas Zellhuber: „Ein Wirtschaftsjahr im Eishockey kann man grob in drei Bereiche unterteilen. Der erste Bereich finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Ausbildungskostenzuschüsse und Spenden, der zweite durch Sponsoren und der dritte Bereich durch Zuschauer. Unser Sorgenkind ist der Bereich Zuschauer. Dieser beinhaltet fehlende Einnahmen aus Tickets, Fanartikel und Gastronomie. Hier werden uns bis zum Saisonende bis zu 170.000 € fehlen.“

Konnte der EV Füssen in der letzten Saison noch frühzeitig und sicher mit staatlichen Hilfen für Ticketausfälle rechnen, ist die Situation in diesem Jahr viel schwieriger. Trotz aller politischen Ankündigungen gibt es aktuell weder einen Beschluss noch eine Zusage, ob und wann es öffentliche Mittel geben wird. „Wir sind im permanenten Austausch mit der Politik, dem Bundesverwaltungsamt und versuchen auf alle Ebenen an verlässliche Informationen zu kommen.“ so Zellhuber „Gleichzeitig müssen wir die Realität akzeptieren und uns zum Schutz unserer Mitglieder auf das Schlimmste einstellen. Es gibt im Bundeshaushalt aktuell weder einen Haushaltstitel für den Profisport, noch ist sicher, ob die Eishockeyoberliga als Profisport weiterhin anerkannt bleibt.“

All diese Fragen werden erst in den nächsten Wochen diskutiert. Bis es zu einem Antragsverfahren kommt, können Monate vergehen. So hat der Vorstand vor Wochen begonnen, auf der Ausgabenseite einschneidende Maßnahmen zu ergreifen. Das wichtigste Ziel ist dabei, den Verein mit seinen 900 Mitgliedern und sieben Nachwuchsmannschaften in seiner Grundsubstanz und seiner Struktur zu erhalten. Zellhuber: „Die größte Herausforderung ist, kurzfristig Kosten so einzusparen, dass wir handlungsfähig bleiben und damit auch in der nächsten Saison weiter Eishockey spielen können. Dafür benötigen wir ein gewisses Grundgerüst an Mitarbeitern in allen Bereichen. Möglicherweise müssen wir uns eine gewisse Zeit von ambitionierten Zielen, wie den 5. Stern im DEB-Nachwuchskonzept verabschieden und uns auf die wesentlichen Aufgaben im Trainings- und Spielbetrieb konzentrieren. Dies hat aber zur Folge, dass wir uns neben Andrei Taratukhin leider auch von weiteren großartigen Mitarbeitern trennen müssen.“

Mittlerweile ist es dem EV Füssen gelungen, Einsparungen von über 40.000 € bis zum Saisonende zu vollziehen und dennoch bleiben hohe Fixkosten. Allein die Bus- und Schiedsrichterkosten für die Restsaison belaufen sich ca. 47.000 €, obwohl z. B. im Nachwuchs nur Spiele ab 150 km Entfernung mit Bussen gefahren werden. „Allein über die Ausgabenseite werden wir es nicht schaffen, den Verein zu retten.“ erläutert der 2. Vorstand selbstkritisch und so hoffen alle weiterhin auf das Verständnis und die Unterstützung aller Mitglieder, Sympathisanten, Freunde und Gönner. Dass der Bericht in der Allgäuer Zeitung vor zwei Wochen erste Wirkung gezeigt hat, begeistert nicht nur Zellhuber. „Vorstand und Wirtschaftsbeirat sind mit gutem Beispiel vorangegangen und haben mit Spenden i.H.v. 15.000 € den Anfang gemacht. Aber ein viel größeres Dankeschön gilt allen bekannten und unbekannten Spendern und Unterstützern. Durch die bundesweite Resonanz sind bereits weitere 10.000 € auf unseren Konten eingegangen. Das gibt uns Mut und Kraft, die nächsten Wochen überzeugt anzugehen. Und dennoch sind wir alles andere als gesichert. Wenn es so weitergeht, schaffen wir den Januar, alles andere wird die Zeit zeigen.“

Eine wesentliche Bedeutung werden die Heimspiele der 1. Mannschaft haben. Nachdem phasenweise im Dezember der Verein Einnahmeverluste von bis zu 10.000 € pro Heimspiel zu verzeichnen hatte, konnten in den letzten beiden Wochen wieder wachsende Zuschauerzahlen vermeldet werden. Offensichtlich tat dies auch der Mannschaft gut, denn es konnten drei der letzten vier Heimspiele gewonnen werden. So hoffen Spieler und Vorstand, dass trotz der bekannten Einschränkungen die nächsten Spiele „ausverkauft“
sind und die Mannschaft, das Vertrauen seiner treuen Fans auf dem Eis zurückgeben kann. Wer Bedenken hat, ins heimische Stadion zu gehen, kann die Spiele auch über SpradeTV buchen, denn auch hier geht ein Teil der Einnahmen an den EVF.

Aber auch über die Spiele hinaus gibt es vielfältige Möglichkeiten dem EVF zur Seite zu stehen. So besteht aktuell die Möglichkeit, das offizielle, handsigniert Spieltrikot von Andrei Taratukhin auf eBay zu ersteigern oder gebrauchte Ausrüstungsteile, wie Schläger, Helme oder Hosen über die Betreuer der 1. Mannschaft zu erwerben. Weiterhin ist der EV Füssen mit den Verantwortlichen des BSP in Gesprächen und lässt prüfen, inwieweit der Verein Samstagsabends in der Halle 1 einen öffentlichen Diskolauf organisieren darf.
Thomas Zellhuber: „Wir kämpfen gemeinsam an allen Fronten und hoffen, genügend Mitstreiter zu finden. Wir freuen uns über jede Form der Unterstützung. Egal, ob in Form einer Mitgliedschaft, einer Spende oder den Kauf von Fanartikeln sowie Tickets der Spiele. Auf öffentliche Hilfen können wir uns bisher noch nicht berufen, hoffen aber auf baldige positive Signale der Politik. Wir können jedoch versprechen, dass jeder Cent gut angelegt ist und im Sinne unserer Gemeinnützigkeit ausgegeben wird.“